Wednesday, December 13, 2006

Freunde finden

Ich moechte an dieser Stelle kurz meine neuen Freunde vorstellen.

Mein Freund mit dem langen Schwanz
Eigentlich nicht sonderlich spektakulaer, dafuer umso massenhafter im Auftreten. Wie immer gilt die Regel: Ich habe mehr Respekt vor ihm, als er vor mir.



Mein Freunde mit dem langen Hals
Der kam mir bekannt vor. Habe in einst in Brasilien am Schnorchelriff gesehen. "Was denn? Was denn? Was denn?"



Mein Freund mit den langen Armen
Staendig am Strand zu finden, auch Portuguese man-o'-war genannt. Dachte immer, die waeren toedlich - hier fuehlt man sich eher von ihr zu Tode gelangweilt, schliesslich ist auch nur von den Tentakeln Abstand zu halten und die werden auch maximal nur einen halben Meter lang. Kein Problem also. Aehnlich verhalte ich mich auch und ignoriere sie komplett. Kann mein erstes schmerzhaftes Zusammentreffen mit ihnen kaum abwarten.



Mein Freund mit der langen Nadel
Das ist mein Liebling und das Foto ist zugegebenermassen nicht von mir. Wurde gestern von meiner Mitbewohnerin aufgeklaert, dass der hier ueberall im Wasser lauert. Zu erkennen ist er an den lila Punkten. Die hat er allerdings nur selten, da er lieber die Farbe des Meeresbodens annimmt. Man kann ihn also eignetlich gar nicht sehen, spuert passend dazu aber auch seinen Stich nicht. Aergerlicherweise ist letzterer nach zwei Stunden toedlich. Chapeau!

Tuesday, December 12, 2006

Reisetipp

Wer eine Reise mit diesem Tourveranstalter plant, möchte sich bitte bei uns melden und von unterwegs berichten. Leider wurde ausgerechnet die reizvollste Tour (Irak) kurzfristig abgesagt. Aber es sind noch weitere angenehme Zielorte im Portfolio.

Friday, December 08, 2006

Wohnen in Sydney leicht gemacht (Epilog)

Nach Tagen der Qual die Erloesung in den Wohnungsanzeigen. Ich erwischte den kurzen Moment zwischen „new advertisement placed“ und „I’m sorry, actually I’ve already found someone else“, den Fallstrick des „female wanted“ auslassend.
Nichts ist mehr, wie es war. Aus der Verzweiflung der ersten Woche ist Erleichterung geworden. Der Anblick, der sich mir von nun an jeden Morgen bietet, zwingt mich immer wieder kurz zu verharren und zu geniessen.


Augen nach links
Augen geradeaus
Augen nach rechts

Wohnen in Sydney leicht gemacht II

Die Hauptsaison beginnt. Dies bedeutet mehr Nachfrage und folglich hoehere Preise - muss mich der freie Markt bis an dieses Ende der Welt verfolgen? Meine Suche schien sich somit einem unaufschiebbaren Ende entgegenzubewegen, denn da ich mein Budget nicht ueber die Massen strappazieren wollte, musste entsprechend der saisonalen Inflation die beanspruchte Qualitaet gesenkt werden.
So fand ich mich eines morgens in einem schwuelwarmen Zimmer am Bahnhof wieder, im Bett unter mir ein komplett bekleideter Mann fortgeschrittenen Alters eine Wodkafalsche wie einen Saeugling umarmend. In Muenchen waere er schon dreimal nach seinem Ausweis gefragt und ebenso oft und zurecht des Bahnhofes verwiesen worden. Hier dagegen scheint er gern gesehener Gast; kurzes Gespraech am naechsten Morgen.

“You’ve had a hard night?”
“No, why?”
“I’ve had the impression you were drunk.”
“No.”
“That was a bottle of vodka, you where holding the whole night, wasn’t it?”
“Yeah, but I didn’t drink in the room.”

Na dann...

Abhilfe muss geschaffen werden oder diese versuchte Auswanderung wird lediglich den Namen Ausflug verdienen.

(Anm. d. Red.: Evtl. chronologische Ungereimtheiten zu anderen Beitraegen sind zu entschuldigen.)

Saturday, December 02, 2006

Auf der Suche nach dem Paradies...

... habe ich mehr als 16 Stunden im Flugzeug verbracht, um den Ort der Erde zu erreichen, der gemeinhin als paradiesisch gilt. Das letztere haette mich eigentlich stutzig machen muessen. So kam ich erwartungsvoll nach Honolulu, in die Stadt mit der groessten Distanz zum Festland. Oder, anders ausgedrueckt: ich kam in die Stadt, die man nur mit Hilfe anderer wieder verlassen kann.
Obwohl Hawaii ein amerikanischer Staat ist, sollte man keinesfalls davon ausgehen, hier amerikanische Verhaeltnisse vorzufinden. Sicher, es gibt die ueblichen Fast Food-Ketten, jede Menge an Bequemlichkeit und ein gewisses "Take it easy"-Gefuehl. Und das gefaellt. Fuer einen begrenzten Zeitabschnitt. Nach ein paar Tagen merkt man aber schnell, dass die Menschen hier "anders" sind, was zunaechst wie ein Kompliment klingt. Ihre Lebensweise ergibt fuer mich oft keinen Sinn. Da traegt jedes Familienmitglied einschliesslich des zweijaehrigen Sohnes ausschliesslich Gucci, Guess und Co., aber einen grossen Esstisch mit Platz fuer alle gibt es nicht.
Ich lebe seit fast 2 Wochen bei einer winzigen alten Frau und weiss nun, was ein Messi-Haushalt bedeutet. Da wird nichts weggeworfen, sondern gesammelt, gestapelt, gehortet. Sie spuelt sogar die Pappbecher von McDonalds. Das klingt oekonomisch - ist es aber nicht, wenn man stets dieselben Sachen immer wieder neu kauft. Genauso wird beim Essen verfahren. Man warnte mich und meine Kollegen am ersten Tag in unserer Sprachschule davor, dass es ueblich sei, uebriggebliebenes Essen in den Folgetagen aufzuessen. Der Sinn der Warnung war mir zunaechst nicht klar, machen wir ja schliesslich auch. Nach fast zwei Wochen hier weiss ich allerdings die Warnung wirklich als Warnung zu verstehen! Noch heute wird mir Turkey von Thanksgiving angeboten... Das Absonderlichste dabei ist, dass jeden Tag NEU gekocht wird! Ich esse nur noch ausserhalb... Zumal es nicht sehr appetitanregend ist zu essen, waehrend zeitgleich eine Ameisenstrasse um den Teller herum von denselbigen angelegt wird. Die Ameisen und ihre vielen vier-, zehn- oder tausendbeinigen Freunde sind uebrigens der Grund, warum ich mich in meinem tristen Zimmer mit Neonroehre nie alleine fuehle. Ich vermute, dass ein Grund fuer ihr Eindringen die Essensreste sind. Die fensterscheibenlosen Fenster tun ihr Uebriges...
Natuerlich gibt es auch schoene Seiten an Hawaii: der Strand, das Meer, das Wetter, klar. Darin wurde ich wirklich nicht enttaeuscht. Und den Verzicht auf festes Schuhwerk weiss ich wahrlich zu schaetzen! Und meine Sichtweise der hiesigen Verhaeltnisse waere sicher eine andere, waere ich hier als japanischer Tourist in einem der zahlreichen Luxushotels abgestiegen... Und von denen, den japanischen Touristen, lasst Euch sagen, gibt es eine GANZE Menge!
Ob Hawaii das Paradies ist, entscheidet also allein der Blickwinkel.
Meine Suche ist noch nicht abgeschlossen...

Thursday, November 30, 2006

krakow

jetzt nach laufen, nach grübeln in der salzgrube, nach poetik-seminar, kaffee vor nebliger kulisse krakows, was für eine stadt, natürlich riecht sie, das muss sie rein aus respekt dem winter gegenüber, nach kohlen, aber dann zimt überall, gar nicht weihnachtlich, ich bin immer befremdet, wenn man über städte schreibt, als wären sie hüte oder verkehrszeichen, aber die schönheit krakows ist gerade ihre fassbarkeit, die stadt legt sich mir im ganzen an, spaziert mir erschöpfung ein, greift nach immer schnelleren schritten im nebel, unaufhörlicher nebel, von mir aus soll er den winter über bleiben, und kann man es einer stadt übel nehmen, ästhetisch durchsichtig zu sein, sonst aber verschleiert, kann man nicht, überhaupt kann man den städten - wie übrigens auch hüten - nichts nachtragen, den verkehrszeichen manchmal schon, aber ich schweife ab insgesamt, ich wollte eigentlich nur erzählen, wie ich eine statue vor der st.anna kirche wurde,



wie ich dort jahrhunderte gotisch kommen und barock gehen sah, und aus dieser poetischen grundstimmung und pragmatischer denkmalhaftigkeit wollte ich diesen satz und diese stadt, krakow, unbeendet lassen wie es auch die denkmäler bleiben, solange sie zeit an sich hauen lassen, dunkel und fein

Wednesday, November 29, 2006

Der Kreis wird größer


Den gängigen Nachrichtendiensten ist zu entnehmen, dass auf Madagaskar einige neue Primaten-Gattungen aufgespürt worden sind. Glückwunsch an die Wissenschaft zu dieser Entdeckung. Was die Forscher nicht wussten: wir haben bereits einige Exemplare ausfindig gemacht und überzeugen können, ebenfalls auf diesen Seiten zu veröffentlichen. Und sie vermehren sich in Windeseile, in alle Himmelsrichtungen. Einer hat es bereits nach Australien geschafft. Weitere werden folgen. Demnächst also mehr von dieser Stelle. Wir freuen uns über die Verstärkung.

Auf der Sucher nach den Walen...

... koennte ich diesmal wieder fuendig werden. Im Wohnzimmer meiner neuen, dauerhaften Herberge ist ein Teleskop installiert. Selbiges dient der semiprofessionellen Wal- und Delfinbeobachtung.
Dazu gab's den Hinweis: Wenn Du Delfine in Ufernaehe siehst, nichts wie Badehose an und rausschwimmen. Muss mir allerdings noch ueberlegen, wie sich das mit gezeigtem Schild vereinbaren laesst.

Sunday, November 26, 2006

Wenn Sie mal in London ein Fußballspiel besuchen wollen und nicht wissen, was zu beachten ist. 6 Guidelines.



1. Lachen Sie nicht, wenn Sie regennasse Polizisten auf traurig wirkenden Pferden vor dem Stadioneingang sehen. Die Pferde sind da sehr empfindlich.



2. Kommen Sie mindestens eine Stunde vor Spielbeginn. Sie werden die Zeit brauchen. Ähnlich wie auf Flughäfen werden bei Champions League Spielen gründliche Sicherheitschecks durchgeführt. Und zwar gerne auch dann noch, wenn der Schiedsrichter bereits angepfiffen hat und Robin van Persie bereits gnadenlos ausgepfiffen wird.



3. Sie brauchen keinen Feldstecher, Sie brauchen lediglich dieses Photo groß zu klicken. Dann verstehen Sie, wie wunderbar nah man in England an den Spielfeldrand gelassen wird. Robin van Persie ist allerdings froh, dass aufmerksame Polizisten stets einen lebenden Zaun zwischen ihm und dem Fanblock der Auswärtsmannschaft bilden.



4. Freuen Sie sich ausgiebig, solange ihr Team in Führung liegt. Das ist meist nur von kurzer Dauer. Singen Sie fröhlich Richtung skandierender Fans der gegnerischen Mannschaft: "You only sing when you're winning." Und studieren Sie in der Folge die völkerverständigende Wirkung von Profifußball. Und ihr Scheitern.



5. Versuchen Sie nach dem Spiel auf keinen Fall, einen Pub in Stadionnähe zu betreten. Sie werden scheitern, auch wenn der jeweilige Pub bereits den ganzen Tag Werbung für das Event gemacht hat. Ein Türsteher wird kommen und Sie auffordern, umgehend den Pub zu verlassen. Es gilt: Home-Supporters only. Und: It's always better to get out alive.



6. Gehen Sie singend durch die Straßen (nicht allein). Zeigen Sie Herz für ihre Mannschaft, auch wenn diese verloren hat. Aber denken Sie bei der Wahl Ihrer Unterkunft daran, dass Ihnen ausreichend Schutz zugesichert wird. Sie sind auch nicht weniger wert als Robin van Persie, das sollten Sie sich stets vor Augen führen, auch wenn der ein deutlich besserer Fußballer ist.

Thursday, November 23, 2006

Wohnen in Sydney leicht gemacht I

Bin nun seit einer Woche in Sydney, wohne im Hostel und teile mir das Zimmer mit vier Altersgenossen. Meine Interaktion mit ihnen beschraenkt sich darauf, sie nicht zu wecken, wenn ich ins Bett gehe, sie nicht zu wecken, wenn ich aufstehe und von ihnen geweckt zu werden, wenn ich schlafe.

Da dies kein Dauerzustand sein kann, geht's auf die Suche nach was eigenem, bzw. dem eigenen Abteil in einer WG, man will schliesslich Anschluss finden.

1. Versuch:
Mich empfaengt ein 40jaehriger leicht ergrauter, leicht bekleidete Mann, der im wesentlichen, den atemberaubenden, in meinen Augen leider durch einen Baum verstellten, Blick vom Balkon anpreist.
Mein Zimmer, einen nahzu fensterlosen, im Keller gelegenen Raum, bekomme ich ganz am Ende kredenzt zusammen mit dem dezenten Hinweis, dass nebenan alle 2 Wochen die Kinder seiner gescheiterten Ehe naechtigen.
Das waere bestimmt super geworden ...

2. Versuch:
Dass es die Vermieterin mit der angebotenen Hilfe, mir beim moeblieren des Zimmers zu helfen Ernst meint, zeigt sich bereits auf den Weg zur Wohnung (sie war so nett mich an der Faehre abzuholen). Auf ihr Geheiss hin muss ich ein Stueck Sperrmuell - in dem Sie meine neue Kommode sieht - durch die 38Grad warme Luft und die teilweise steilen Strassen tragen. Daheim angekommen, beginnt ein ca. einstuendiger Monolog. Beginnend mit saemtlichen Details saemtlicher Vormieter ueber einen Ratgeber fremde Menschen richtig einzuschaetzen bis zu einer Anleitung, meine weitere Wohnungssuche zu organisieren, sofern diese nicht bei ihr endet. Zitat: Schreiben Sie sich die Details der Wohnung auf einen Block; rufen Sie dort an; wenn die Wohnung vergeben ist, streichen Sie die dazugehoerigen Notizen durch. Vielleicht ahnte sie, dass ich genau das in diesem Moment tat ...

Monday, October 30, 2006

Zurück.


Bin wieder in Berlin. In meiner Abwesenheit hat man mir eine indonesische Fratze ins Büro gehängt.

Soeben lese ich, dass in Nigeria schon wieder ein Flugzeug abgestürzt ist. Ein ungutes Gefühl verbleibt.

Nächster Stopp: noch unbekannt.

Thursday, October 26, 2006

Lagos. Der große Kontrast


Wieder in Lagos. Erneut nach einem abenteuerlichen Inlandsflug. Schon beim Flug nach Abuja habe ich den Sicherheitshinweisen sehr aufmerksam zugehört, insbesondere weil diese erst nach dem Abheben erfolgten. Wobei Abheben eigentlich nicht das richtige Wort ist; die Maschine zog vielmehr steil wie eine Concorde in den Himmel und legte dabei gleich einen U-Turn hin, so dass wir einige Sekunden schräg und bleich in den Sitzen hingen. Aber eigentlich ist es ja pragmatisch: die meisten Abstürze gibt es beim Start, also lohnt es sich, erstmal abzuwarten, ob man überhaupt heil in die Luft kommt.

Auf dem Rückflug nun zu meiner großen Überraschung osteuropäische Stewardessen, die zu meiner noch größeren Überraschung sogar Sicherheitshinweiskarten der Balkan Holiday Air mitgebracht hatten, die zwar für einen Airbus 320 erstellt worden waren, aber auch in der kleinen Virgin-Fokker durchaus zu gefallen wussten. Als Bordspeise wurde eine große Plockwurst in einem sehr dicken Teigmantel serviert. Was genau die warnende Aufschrift „only to be eaten on board!!!“ auf der Verpackung bedeutete, wurde mir erst klar, als ich bei Beginn des Landeanflugs erst ein Drittel verzehrt hatte. Vermutlich wird der Rest jetzt weiterverarbeitet.

Der Anflug auf Abuja bei Nacht war wie eine Landung im nichts. Wir senkten uns in eine schwarze Fläche, keine Lichter, kein nichts. So ähnlich muss sich eine Notwasserung anfühlen (jedenfalls vor dem Notwassern). In Lagos dagegen ist es genau umgekehrt, das Landen in Lagos ist wie das Landen in einem großen Hühnerstall, man fliegt zehn, zwanzig Minuten nur über besiedeltes Gebiet. Aber Lagos ist natürlich in fast allem das Gegenteil von Lagos (bis darauf, dass es in beiden heiß, stickig und teuer ist und man überall in Nigeria nur das beklagenswerteste Essen zu kaufen gibt).

Wo es in Abuja stets eine Straßenspur zu viel gibt, gibt es in Lagos stets zwei zu wenig. Wo es in Lagos an Platz und Atemluft mangelt, mangelt es in Abuja an Menschen und Geschäften. In den Siebzigern haben sie beschlossen, eine neue Hauptstadt auf dem s.g. Reißbrett zu kreieren, das war damals en vogue, Geld fehlte auch nicht, Ölkrise sei Dank. Also Abuja. In fünfzehn Jahren wollten sie eine neue Weltmetropole schaffen, zudem das bereits kollabierende Lagos von Verkehr entlasten. Sie haben sich einen Ort ziemlich genau in der Mitte des Landes ausgesucht, gut zu erreichen aus allen Richtungen, zudem vergleichsweise neutral zwischen den gegensätzlichen Regionen des Südens und Nordens. Ideale Voraussetzung für eine Totgeburt. Als gerade die ersten Gebäude hochgezogen waren, kamen die Achtziger, die Ölpreise sind abgesoffen und die nigeranische Volkswirtschaft gleich mit. Die Bauarbeiten dauern noch an; mittlerweile ist wieder (vorläufig) Geld vorhanden, überall stehen Kräne. In den günstigeren Konjunkturzyklen hat man sich ein grandioses Fußballstadion, eine gläserne Zentralbank und einige andere monumentale Konstruktionen geleistet, darunter eine äußerst bizarre Kirche. In den Tiefphasen hat man die Arbeiten in der Mitte abgebrochen und entweder halbfertig stehengelassen oder wieder runtergerissen. Das Flair ist un-afrikanisch: es fehlt an Chaos, Staub, Wellblech und verrottenden Fassaden.

Von alledem gibt es mehr als genug in Lagos. Lagos hat mich wie noch keine Stadt zuvor, besser: wie noch kein Moloch zuvor gleichzeitig abgestoßen und fasziniert. Lagos ist in weiten Teilen die Definition einer ruinierten, von allen s.g. guten Geistern verlassenen Stadt: der Grad des Verfalls, die einfach der Verwahrlosung preisgegebenen oder jämmerlich in sich zusammengefallen Behausungen (wohlgemerkt nicht Wohnhütten, sondern zehnstöckige Geschäftshäuser!), die zerstört und verrostet am Wegesrand abgestellten Vehikel, die hitzköpfigen und über alles und jeden in Streit ausbrechenden Lagosianer, und dazwischen immer wieder die kleinen Symbole der Dekadenz und der hochfliegenden Pläne: die längste Brücke Afrikas, die sich bogenförmig von einer Insel zur nächsten zieht, überall Mercedes und BMWs, Hightech-Malls, die nationale Raumfahrtagentur, stolze Werbetafeln mit Ankündigungen vom Schlage „From Third World to First World by 2020“, usw. usf.

Saturday, October 21, 2006

Runter kommen sie alle


Durchaus interessante Konstruktion etwas außerhalb Abujas. Dürfte so ziemlich das einzige nennenswerte Gebäude in dieser Gegend sein, dass nicht von den Genossen Bilfinger+Berger erbaut wurde.

Bis vor fünf Minuten allgemeiner Stromausfall, demnächst mehr von diesem Außenposten.

Thursday, October 19, 2006

Ganz weit vorn, die Nigerianer

Der u.g. Reiseführer hebt übrigens auch hervor, dass in Nigeria die Chance erstaunlich gering sei, bestohlen zu werden. Viel wahrscheinlicher sei es, ausgeraubt, erpresst, entführt, betrogen oder absichtlich von einem Auto überfahren zu werden. Es liege hingegen einfach nicht in der Mentalität des Nigerianers, einen Gegenstand, der ihm nicht gehöre, heimlich wegzunehmen. „This could be due to the strong religious sentiment, both Christian and Muslim, of thou shall not steal, preached in churches and mosques daily throughout the country.“

Echt ganz weit vorne, die Nigerianer, wie man in meinem Freundeskreis sagen würde.

Tipp des Tages

(aus meinem Reiseführer, Abschnitt: „Glossary of Nigerian Phrases“)

"food is ready" – Where you´ll see this sign, it means there is some kind of food ready.

Urbankatastrophe Lagos


Zwei Tage Lagos bewältigt. Lagos: die Stadt des ungenierten Wuchers und des noch ungenierteren Dilettantismus. Mit dem ersten Schritt hinaus aus dem Terminal ist man Teil des Chaos. Die Straßen sind Ketten aus Motorrädern, Kleinbussen, Taxen und einigen Privatautos. Kein Durchkommen, keine Regeln. Aber immerhin: Ampeln. Lagos ist berüchtigt für seine elend langen Ampelphasen. Manchmal tut sich zehn, fünfzehn Minuten lang nichts. Den anderen Verkehrsteilnehmern macht das nichts mehr aus. Ein Motorradfahrer balanciert eine Matratze auf dem Kopf. Allenthalben Indifferenz. 15 Millionen wohnen schon hier, 300.000 kommen pro Jahr dazu, jedes Jahr zieht die Stadt weitere Kreise.

Wir fahren stundenlang auf der Suche nach Hotels, aber Kollege D. ist unzufrieden. Das von unseren Geschäftspartnern reservierte Hotel hat er rückwärts wieder verlassen. Er sucht die fehlende Mitte zwischen Sheraton (370 Dollar) und Pension (110). Wir suchen vergebens und landen wieder in letzterem. Beim zweiten Öffnen der Zimmertür habe ich die Klinke in der Hand, leider ohne Tür. Am Morgen wird binnen fünf Minuten ein neuer Schließmechanismus angebracht. Am nächsten Abend wiederholt sich das Schauspiel. D. will es nicht wahrhaben, D. hat in den Ländern X, Y und Z für 50 Dollar bestens gewohnt, das muss doch aus in Lagos gehen! Der Rezeptionist zuckt mit den Schultern, er kann es nicht ändern. Die Stadt ist voller Öl-Expatriates, das treibt die Preise und senkt die Standards. Ab 19 Uhr können Zimmer zwar noch gebucht, aber nicht mehr besichtigt werden. Warum? Hauspolitik.

Lagos - und gleich viel seltsames


Der Nigerianer hat eine Vorliebe für informative Schilder und Hinweise. Man sieht sie überall: am Straßenrand, an Zäunen, Häuserwänden und auch im Internetcafé. Bekanntlich wird die nigerianische Bevölkerung durch einige wenige kriminelle Elemente durchsetzt, die den Rest der Welt mit betrügerischen Emails auszumelken versucht. Ganz so wenige sind es aber offensichtlich doch nicht: trotz der obigen Warnung konnte ich ein solches Element beobachten (leider nicht fotografieren), wie es via Webmail behauptete, die Nichte des verstorbenen Diktators Mbulu-Mbulu zu sein, der vor seinem Tod noch schnell sechzig Millionen Dollar auf ein Nummerkonto in der Schweiz gebracht habe, an die sie, die Nichte, also das Elemente, nur mit der Hilfe des Empfängers kommen könne. Zum Dank schlage sie eine Gewinteilung von 65:35 vor. Vorab seien bitte zwanzigtausend Dollar auf folgendes Konto zu überweisen...

Andere schöne Schilder:

- Am Gate von Virgin Nigeria im Flughafen von Lagos: "Anyone making comments or jokes about terroristic activities or intentions will be prosecuted"

- Am Tor des Baumarkts: "Please abide the following opening hours (...) to avoid embarrassement"

- Entlang der Hauptstraße: "Thank you for paying taxes"

Sunday, October 01, 2006

2nd sight.



Auf den ersten Blick nicht viel Bemerkenswertes zu erkennen auf diesem Bild. Wer aber sehr genau hinsieht, entdeckt eine typische Urlaubsszene, die jetzt einmal vergrößert dargestellt werden soll.



Die Spanienrundreise ist vorbei, es bleiben solche Photos. Und der dicke Bauch, der sich unter dem weißen Polo-Shirt schon wölbt, obwohl das Bild am Anfang der Reise aufgenommen wurde. Wer mich beim überfälligen Abnehmen begleiten will, kann das ab sofort wieder unter:

http://benjamin-lauterbach.blogspot.com

Sunday, September 24, 2006

Die uritalienische Katastrophe.



Die uritaliensche Katastrophe ist ein Hochgeschwindigkeitszug, der so viel Verspätung hat (am Ende 140(!) Minuten, dieses Photo zeigt nur einen Zwischenstand), dass man mit dem um fast 10 Euro billigeren Bummelzug schneller am Ziel gewesen wäre. Die uritalienische Katastrophe ist ein verwaister Vorort- bzw Umsteigebahnhof, auf dem es nichts zu tun gibt, außer sich sein hellblaues Oberhemd von der heißen Mittagssonne dunkelblau färben zu lassen. Die uritalienische Katastrophe sind geschlossene Bahnhofscafés, geschlossene Wartehallen (an der Einganstür zwei Schilder: Airconditioned & Closed), geschlossene Fahrkartenschalter und geschlossene Internetcafés auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die uritalienische Katastrophe ist nur auszuhalten, weil der verspätete Zug einen schließlich in die Toscana bringen wird, in der mit Siena und Florenz und Petroio gleich drei der weltschönsten Orte überhaupt liegen. Wunderbare Schätze der Menschheit. Also Schwamm drüber. Und das nächste Mal Bummelzug.

Wednesday, September 20, 2006

Alles hat ein Ende, nur der Urlaub hat zwei


Ich hatte mich bereits von und aus Barcelona verabschiedet und sitze nun doch wieder in demselben Internetcafé im Gothischen Viertel. Leider erwies sich nach einer sehr frühen Busfahrt zum Peripherieflughafen Girona, dass alle drei Ryanair-Morgenflüge wegen dichten Nebels gestrichen worden sind. Woraufhin sich die Urlauberhorden einmal quer durchs unklimatisierte Terminal in vier Schlangen aufstellen durften, um den weiteren Verlauf ihrer Reise zu klären. Als ich 70 Minuten lang in der Schlangenhölle Girona stand und den Kulturkampf zwischen deutschen und italienischen Passagieren beobachtete (bzw. in diesem mitmischte), sah ich meine sogenannte Urlaubserholung bereits wieder in Rauch aufgehen.

Gefangen in der Nebelhölle Girona, sagte ich mehrmals laut vor mir her, während die deutschen die italienischen Urlauber ermahnten, sich nicht vorzudrängeln, während die italienischen den deutschen Urlaubern rieten, sich erstmal geschmeidig zu machen (damit sie sich bequemer vorrempeln konnten). Obzwar ich mich seit Abschluss meiner Pubertät nicht mehr als einen sogenannten jähzornigen Menschen bezeichnen würde, hätte ich doch liebend gerne den einen oder anderen Zinedine-Zidane-Denkanstoß verteilt, beließ es aber dann doch dabei, einem schuldlosen Menschen ins Gesicht zu fassen. Die Schlange kam und kam nicht voran, und weil die Menschen so lange in ihr anstanden, mussten sie, als sie endlich am Zuge waren, diese unter dem größten Schweiße erarbeitete Vorsprechzeit auf das längste auskosten, so dass alle nachfolgenden Urlauber noch länger warten durften.

In der Hitzehölle des Terminals Girona trat bei vielen der mitgereisten Deutschen dann eine Läuterung und Katharsis ein, indem sie erkannten, dass die Billigreiserei - und i.w.S. die gesamte Billigheimerei - ein Irrweg sei, weil man für den geringeren Preis eben auch nur einen geringeren Service und eine geringe bis unvorhandene Kulanz erwarten konnte usw. usf. Ich stimmte zu und zog meine Lehren, so wie damals auf der Ilhabela vor Brasilien, wo ich nach der stundenlangen Folterung durch einen Gockel beschloss, nie wieder am falschen Ende bei der Unterkunft zu sparen.

Die Verfrachtung der Horden in der Gesamthölle Girona kumulierte zwischenzeitlich sogar in Tumulten um die korrekten Schlangenpositionierungen (leider kein Bildbeweis vorhanden). Am Ende bot man mir einen Flug nach Karlsruhe zwei Tage später an, oder eine lustige Kombination mit Nachtstopps in Dublin und Stockholm, allerdings auf eigene Kosten, als doch wieder nicht ganz so ulkig. Habe dem Treiben dann durch Umbuchung auf einen Abendflug nach Berlin mit einer anderen Linie ein Ende bereitet. Das Geld spare ich dann am richtigen Ende in Deutschland wieder ein, indem ich nur Gammelfleisch und Brot vom Vortag esse.

Immerhin ergab sich dadurch die Chance, den Mitreisenden B. zu treffen, der sich erst heute abend in die Fänge der Lowcost-Monster begeben wird.

PS: Das Bild hat übrigens mit der Geschichte nichts zu tun. Motiv: Britische Schnapsleichen in einer Geldautomatenkabine nahe der unteren Rambla. Fotograf: wie gehabt.

Fischkoepfe.



Boquerones sind kleine frittierte Fische. Sie kommen ohne Beilage, und wenn man sie am Schwanz packt und in frittiertem Zustand hochhebt, können sie wagerecht in der Luft stehen, so steif sind sie nach dem Fettbad. P., der normalerweise nichts anrührt, was einen höheren Fettgehalt hat als ein Knäckebrot, mag Boquerones. Er sagt, er fühle sich durch diese Fischchen an seine Südfrankreichurlaube mit seinen Eltern erinnert. Das mag sein. Es mag auch sein, dass er Recht hat, wenn er sagt, dass man diese Fische mit Flosse und Kopf und Wirbelsäule (Grätenhölle) isst. Abgesehen davon, dass der Gedanke, Fischaugen, Fischzähne, Fischhirn und Fischknochen zu verspeisen nicht zu meinen liebsten gehört, fällt mir jedes Mal, wenn P. Boquerones gegessen hat und der Teller danach leer ist, das vollkommen bestürzte Gesicht des Kellners oder der Kellnerin auf, die den Teller dann abräumen. Ich habe also mittlerweile Grund, an P. Boquerones-These zu zweifeln und mir Sorgen um seine Gesundheit zu machen.

Die Fische auf dem Bild sind keine Boquerones, die sind zu groß, passen in keine Friteuse, können nicht mit einem lustvollen Haps verspeist werden. Allerdings sind sie wieder einmal Beleg dafür, dass Menschen, die eine starke Bindung zu Tieren aufbauen, diesen Tieren mit der Zeit immer ähnlicher werden.

Tuesday, September 19, 2006

Sitges.



Ich stelle selten Bilder von mir selbst ins Netz, diesmal macht es jedoch Sinn. Ich will von einer kleinen Stadt berichten, die aus einem Fischerdorf gewachsen ist und gute zwanzig Kilometer von Barcelona entfernt in einer kleinen Bucht liegt. Dort gibt es eine Strandpromenade, eine alte Kirche, kleine, exklusive Geschäfte, sogar ein Museum im ehemaligen Wohnhaus des Malers Santiago Rusinol. Auf den ersten Blick alles ganz normal. Geht man aber die Strandpromenade entlang und sieht sich die Liegestuhlreihen etwas genauer an, fällt einem plötzlich eine Besonderheit auf, die Sitges berühmt gemacht hat. Diese Besonderheit ist auch der Grund, warum die Kneipen dort Dark Lane und Lovejuicer heißen und warum Pat und ich überlegt haben, dass es doch lustig haette sein koennen, Jens zu einem ausgedehnten Strandausflug nach Sitges einzuladen. Jedenfalls kamen wir uns mutig und unerschrocken vor, wähnten uns als freigeistige Helden, so wie wir da durch die engen Gassen von Sitges gelaufen sind, bis wir einen kleinen Jungen von vielleicht vier oder fünf Jahren gesehen haben, der frei an einer Mauer hängend demonstriert hat, was wirklicher Mut bedeutet.

Sunday, September 17, 2006

Plunging deep


Nach Ankunft in Barcelona befand ich mich in einer sogenannten Hochstimmung, falsch, einer Höchststimmung. Unsere Wohnung war charmant, das Viertel das angenehmste, vom Fenster aus sah ich auf einen Kirchplatz hinab, von unten Musik, an den Häuserfassaden turnten Harlekine, sogar aus Berlin erreichten mich versöhnliche Kurznachrichten. Für einige Stunden war ich euphorisch und belästigte den Mitreisenden B. dementsprechend mit meiner Höchstlaune. Dieser reagierte skeptisch, erstens weil es sich bei B. um einen grundsätzlich antizyklischen Menschen handelt, zweitens weil er noch in seiner Faultierphase (braucht 15 Stunden Schlaf pro Tag) befand.

Dann die zuvor von B. beschriebenen Ereignisse und Wendungen: verblüffende leere Altstadtgassen bereits um Mitternacht; Kampftänze mit orientalischen Jugendlichen um die eigenen Brieftaschen; B. im Schwitzkasten exotischer Dirnen; pöbelnde Menschen in den Kneipen; die tödliche Rambla; gewisse klempnerische Defizite im eigenen Bad; überhitzte Diskotheken usw. usf. Und auch der Harlekin fiel irgendwann vom Dach.

Leide also heute wieder an der Sonderspezies eines Barcelona-Katers. Soll vorkommen. Werde mich wieder berappeln.

B. macht das alles nichts aus. Er ist bereits ganz hibbelig, weil in ca. 14 Stunden die ersten Läden aufmachen.

Stimmungsbarometer



Barcelona.



Jens am Flughafen abgeliefert, vorher nochmal am Strand gewesen (Photo), unter der Hitze gelitten, jetzt in Barcelona angekommen. Appartment direkt in der Altstadt, 200m vom Picasso-Museum entfernt, vor dem heute bereits um 10 uhr morgens Unmengen von Touristen geduldig in Schlangen auf Einlass gewartet haben. Gestern Abend die Einwohner Barcelonas kennen gelernt. Drei lustige Spanier, die Patrick und mir beim kurzerhand aufgezwungenen Tanz durch eine enge Gasse die Geldbeutel klauen wollten. Hat nicht funktioniert, haben uns gewehrt und sind in eine Backpackerkneipe gefluechetet, in der uns fraenkische Kunststudenten mit ihrem Dialekt unterhalten haben. (Koennen die Franken wirklich kein T sprechen?) Spaeter auf der Rambla unfreiwillige Bekanntschaft mit ein paar zunaechst harmlos wirkenden Prostituierten, die mich so gern als Freier mitgenommen haetten, dass mich eine von ihnen mitten auf dem Gruenstreifen in den Schwitzkasten genommen hat (vor den Augen der Polizei). Musste mich da aber alleine rauswinden und war danach sauer. Die Rambla wird ab jetzt gemieden.



Stattdessen heute Kirchen angeschaut. Kosten nix, legen einem nicht ungefragt den Arm um den Hals, wollen nicht durch enge Gassen tanzen und dabei nach meinem Geldbeutel greifen. Lauter Vorteile. Heute Nachmittag mit Patrick in den Park.

Friday, September 15, 2006

Wieder in Valencia.



In Valencia angekommen, zum zweiten Mal, Dank P.´s Pfadfindernase. Wir haben ihn auf den Ruecksitz geschnallt und klare Anweisungen formuliert: auf schnellstem Weg raus aus Alicante, auf nicht weniger schnellem Weg zurueck ins schoene Valencia, zwischendurch nur eine kurze Pinkelpause. Das hat geklappt. Es war hoechste Zeit, aus Alicante zu fliehen, nachdem Jens waehrend des zweitaegigen Aufenthalts der einzige war, der dort etwas wirklich schoenes gesehen und photographiert hat.



In Valencia ein Hotel am Stadtrand, am Abend wieder Gang durch die Altstadt. Ich suche nach einem Eisverkaeufer, darauf P.: "Um Eisdielen solltest Du lieber einen grossen Bogen machen." Zur Strafe den restlichen Abend geschwiegen. Das kommt nicht besonders gut an, nachdem J. nur selten und obendrein ungern spricht, waehrend P. Schweigen nicht ertragen kann und deshalb die halbe Nacht Geschichten aus der Kindheit erzaehlen musste. Besonders schoen: D. und P. spielen Catchen. Oder: P. isst Pasta mit Tomatensosse (ist auch heute noch hinreissend anzusehen). In der Nacht dann: fast durch Klimaanlage erfroren. Am Morgen von J. geweckt, der sich die Nase schnaeuzt, als gelte es, durch besonders kraeftiges Schnaeuben die gesamte Nachbarschaft vom eigenen Unglueck (Heuschnupfen) in Kenntnis zu setzen. Waere danach beinahe wieder eingeschlafen, waere nicht P. singend aus dem Bad gekommen. Textauszug: "Benno, Benno, Benno." WG jetzt und in Zukunft mit beiden voellig unmoeglich. Beide bemaengeln mein grosses Schlafbeduerfnis, liegen dann aber den gesamten Tag ueber traege wie zwei Seehunde am Strand, antriebslos, waehrend es eine aufregende Stadt zu entdecken gaebe. Nach dem Mittagessen dann beiden die Meinung gegeigt und das Resultat photographiert:

Wednesday, September 13, 2006

Als alles noch gut war.



Valencia. Hotel Reina Victoria. Sehr zu empfehlen.

Alicante...



...liegt hinter dieser Milchglasfensterscheibe. Mehr will ich von Alicante nicht zeigen. Alicante hat einen Altstadtkern, man kann ihn in genau zehn Minuten ablaufen. Der Rest von Alicante ist scheußlich. Zu scheußlich, um gezeigt zu werden. Höchstens kurz beschrieben: zwanzigstöckige Betonsärge auf einer braunverbrannten Hügellandschaft in zufälliger Anordnung. Stadtautobahnen, die sich in Schleifen um diese Wohnsärge legen. Wer Dietzenbach gesehen hat, kennt auch Alicante. Alicante ist verloren. Alicante ist nicht mehr zu retten. Alicante ist für immer entstellt. Für die Suche nach den Verantwortlichen für diese Stadtkatastrophe bleibt keine Zeit. Morgen Abreise. Deshalb: bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Tuesday, September 12, 2006

Einer ist immer der Wasserträger.

Einfahrt nach Valencia.



Ein erster Eindruck: turmhohe Betonsärge nach 225 Kilometern Autofahrt. Jens hat mittags im Auto ein Bier getrunken, Patrick nicht. Die spanische Landschaft wie schon in Andalusien vor zwei Jahren: karg. Ödland, aber Jens mit der These: bald schon werde man kostengünstig Süß- aus Salzwasser gewinnen können und flächendeckend begrünen, ganzjährig einfach das gute Wetter genießen. Zur Siestazeit durch die Wohngebiete Valencias auf der Suche nach der Altstadt. Müssen nach dem Weg fragen. Patricks Spanisch klingt hervorragend, trotzdem antworten die Spanier auf Englisch. Ist mir so ähnlich passiert, vor Jahren in Mailand, als ich Emily aus Idaho mit meinen Fremdsprachenkenntnissen beeindrucken wollte. Nach ein paar Umwegen schließlich das Hotel. Schmucke Fassade, HRS-Schnäppchen, an der Wand ein Bild von König Juan Carlos mit einer persönlichen Danksagung. Das Zimmer mit hoher Decke und Stuck, fliedergelbe Wände, einem Doppel- und einem Beistellbett (Jens). Am Nachmittag Rundgang durch die Altstadt. Noch immer Siestazeit, niemand auf der Straße.


Monday, September 11, 2006

Kapitulation vor dem Fortschritt

Auftakt zur Spanienreise, erster Stopp: Valencia. Wir reisen in der selben Konstellation der großen Brasilienrundfahrt (satte 500km Luftlinie) von 2001. Wir wollen uns neu erfinden, sind aber noch dieselben. Auf eine Transkription der Gespräche zum Beweis wird verzichtet. Nur die Ansprüche haben sich weiter von der Realität entfernt. Mit gesenktem Haupte sitzen wir in einer Zukunftsvision (Bild) und planen die nächsten Tage. Wir werden in sogenannte malerische Orte und sogenannte lebhafte Städte fahren. Von der als solche bezeichneten "Küstenstraße" 332 südwärts grüßen rechts karge Gebirgskämme, links die Architekturhölle Costa Blanca: Definition eines historischen Irrtums.

Seit dem durchaus bemerkenswerten Hinflug mit Ryanair bemüht sich der Mitreisende B. hektisch um eine alternative Zugroute für seinen Rückweg.

Friday, May 26, 2006

Hurra, ich funktioniere


Drei Tage hintereinander bis drei Uhr morgens am Computer gesessen. Mein Körper signalisiert Schlafenszeit, aber eine neue Kategorie der Vernunft hat sich in meine Hirnwindungen gefressen und treibt mich voran. Nicht mal mein tägliches physisches Tief (12-18 Uhr) gönnt man mir. Ich sitze wie ein Bessessener tippend und aufrecht wie ein Stock vor dem Computer - dabei sitze ich nie aufrecht! -, wie eine Oma sich am Lenkrad festklammert, klammere ich mich am Schreibtisch fest, schreibe als hätte mein letztes Stündlein geschlagen. Hat es? Vielleicht handelt es sich ja um einen letzten Energieschub vor dem Kollaps.

Immerhin: Es handelt sich um eine Idealumgebung für konzentriertes Arbeiten. Keine Sozialisierung. Alle Meeresfrüchte durchprobiert. Die Luft in den Straßen fühlt sich an wie das, was vorne aus dem Fön rauskommt, riecht aber eher nach Bärenpopo. Kurzum: Kein Motiv, das Haus zu verlassen.

Also Arbeiten. Ich erstelle eine Studie, die niemand lesen wird, und auf Basis der ungelesenen Studie einen Businessplan, den niemand umsetzen wird, weil der Umsetzer eines Businessplans i.d.R. von Businessplanschreibern nur das wenigste, von sich selbst dagegen das meiste hält. Dennoch dürfen die Studie und der Businessplan natürlich keinen Fehler enthalten, denn wenn zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort der falsche Korinthenkacker seinen Finger auf die falsche Stelle legt und nicht alles wasserdicht, lupenrein, blütenweiß ist, dann -

- gar nicht dran denken. Also weiterschreiben. Nicht bloggen, sondern Zahlen in Tabellen, Tabellen in Tortendiagramme, Diagramme in Worddateien, Worddateien in Acrobatdateien, Acrobatdateien in Ziparchive, Ziparchive in Emails, Emails in den Äther. Dann schlafen. Oder feststellen, dass man was wichtiges vergessen hat.

Zum guten Schluss fallen mir noch drei Sätze ein, die mur in den letzten Tagen zu denken gaben:

1. "Rachegefühle sind mir völlig fremd - es sei denn, man tut mir was böses." (mein Gegenüber)
2. "Honey, I
am romantic, I just don´t do romantic things!" (am Nebentisch)
3. "Nicht alles, was einem gerade so einfällt, ist auch wert, aufgeschrieben zu werden." (...)


Wednesday, May 24, 2006

Yes, it´s not possible




Alles geht den Gang der Dinge. Auch in der Urbankatastrophe D.e.S., auch genannt "Hafen des Friedens". Langsam gewöhne ich mir wieder die Schrittgeschwindigkeit der hiesigen Menschen an. Alles geschieht in Zeitlupe: der Taxifahrer betätigt in Zeitlupe den Schalthebel, der Handwerker repariert in Zeitlupe den Fahrstuhl, die Kellnerin presst in Zeitlupe einen Obstsaft. Die Fahrradfahrer treten so langsam in die Pedale, dass es schon fast erstaunlich ist, dass sie nicht allesamt zur Seite kippen. Die ersten Tage habe ich mich noch darüber erregt, jetzt nehme ich es wieder mit einem Achselzucken hin.

Einige Menschen gehen offenbar den ganzen Tag im Kreis; man sieht sie über den Tag verteilt immer mal wieder hier und da, dann wieder hier, dann wieder dort. Die Gesichter ähneln sich zwar, aber zumindest diejenigen, die Klamotten aus Heilsarmee-Beständen tragen, erkennt man leicht an den Motiven wieder. Besonders gerne werden offenbar gespendet:
- T-Shirts mit lustigen Sprüchen ("I am fat. So what?")
- T-Shirts, die irrtümlich in der Euphorie eines Rockkonzerts gekauft wurden
- Fußballtrikots untergangener Vereine (in welcher Liga spielt eigentlich Sampdoria Genua?)

Es gibt sie also doch noch, die kleinen Anker der Zivilisation im Hafen des Friedens. Ansonsten zieht sich alles. Zu den erheiternden Momenten zählt ein Meeting mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden einer lokalen Bank, der sich eine besondere Art von Tür hat bauen lassen, die von außen wie eine Wand aussieht. Man steht in einem unscheinbaren Gebäude, ein Wächter mit Automatikgewehr drückt an der richtigen Stelle, auf einmal dreht sich die Wand und man befindet sich in einem schnieken Büro. Wie in einem James-Bond-Film.

Nachdem ich über Jahre das südafrikanische Fernsehen als das schlechteste der Welt bezeichnet habe, laufen seit zwanzig Minuten auf Supersports 3 Traumtore aus internationalen Ligen ohne jeden Kommentar. Dies würde ich gerne nach Deutschland importieren. Zur Not tun´s aber auch ein paar Stoßzähne, oder ein traditionelles Pfeil-und-Bogen-Set.

Monday, May 22, 2006

Täuschend echt



Als könnten sie jederzeit zu Leben erwachen. Wirklich verblüffend echt. Insbesondere der Hase mit Stoßzähnen.

Essenzielle Konsumgüter


Sowas wollte ich schon immer unbedingt besitzen.

Der Unterschied zwischen dem tansanischen und dem mexikanischen Tandverkäufer (und vielen seiner Artgenossen) ist die geringere Vehemenz und Kakerlakenartigkeit des ersteren.

Der Mexikaner: "Hello my fren, my fren, come closer... where ah you from? Great, we love Europe, we hate the Gringos! My fren, can I offer you some traditional bow and arrow that the Maya use... (Stunden später) ...what do you mean you not buy? Go away, you fucking European!"

Der Tansanier: "Wenn du was kaufst, mzuri (gut). Wenn nicht, mzuri mzuri (auch gut)."

Echt ganz weit vorne, die Tansanier.

Sunday, May 21, 2006

Eine Frage ist eine Frage ist eine Frage

Die Regenzeit ist vorbei; sie endete mit der Abreise des Kollegen E., dessen Rückflug nach Maputo mit LAM (bis vor kurzem auf der EU-Blacklist) sich schönerweise um acht Stunden verzögerte. Nun ist E. weg, und mit ihm der Regen; geblieben sind die Hitze und der noch vor mir aufgetürmte Haufen Arbeit. Derzeit fahre ich die wichtigsten Verkehrsrouten der s.g. Dalla-Dallas (Kleinbusse) ab, um einen besseren Eindruck der peri-urbanen Zone zu bekommen.

Insgesamt ist durchaus ein gewisser Entwicklungsvorsprung gegenüber Mosambik festzustellen: etwas mehr Zement, etwas weniger Wellblech, etwas größere Unternehmen, etwas weniger Ziegen und Schweine auf den Dächern der öffentlichen Verkehrsmittel. Wenn man allerdings bedenkt, dass Mosambik von den Portugiesen eine komplett ruinierte Volkswirtschaft überlassen bekam und sich bis vor knapp zehn Jahren noch im Bürgerkrieg befand, sind die Unterschiede eher erstaunlich gering. Apropos Kolonialvergangenheit: im Gegensatz zu Namibia gibt es hier keine Kaiser-Wilhelm-Straße und keinen Caprivi-Zipfel. Mittwoch fahre ich jedoch nach Tanga, den Ort der legendären deutsch-britischen Seeschlacht, dort sind angeblich etwas mehr Memorabilia zu sehen.

In dem Lokal, in dem ich mittags inmitten täuschend echt modellierten Tierskulpturen (siehe Fotos) sitze, fällt mir einmal mehr auf, dass der Tansanier das Stilmittel der Suggestivfrage nicht gewohnt ist. Dies kann zu Missverständnissen folgender Natur führen:

- Können Sie mir sagen, wieviel Uhr es ist?
- Ja, Herr.
- Hätten Sie vielleicht noch ein Glas Wasser?
- Ja, Herr.
- Könnte ich die Pizza mit Oliven statt mit Artischocken bekommen?
- Ja, Herr.

In allen Fällen geht dann das große Warten und Wundern los (worin die Tansanier zu den erfahrensten und fähigsten Völkern zählen). Das Wort "bitte" (tafadhali) existiert übrigens zwar im schriftlichen Suaheli, wird aber in der gesprochenen Sprache i.d.R. nur dann verwendet, wenn man etwas geschenkt bekommen möchte; ansonsten formuliert man den Wunsch als Befehl. Das ist eigentlich eine äußerst logische und stringente Sprachregelung, die ich demnächst auch in Berliner Kneipen anwenden werde. Lange genug hat der Schwanz mit dem Hund gewedelt.

Friday, May 19, 2006

Die Unbelehrbaren, die Ewiggestrigen


Ich entnehme den dt. Medien, dass Ostdeutschland als No-Go-Area für Afrikaner bezeichnet wird. Aber auch in Dar-es-Salaam lassen sich gewisse rechtsradikale Symbole ausmachen. Zumindest wenn man ganz genau hinsieht. Der Typ mit der weißen Mütze kam mir gleich nicht ganz geheuer vor.