Saturday, December 02, 2006

Auf der Suche nach dem Paradies...

... habe ich mehr als 16 Stunden im Flugzeug verbracht, um den Ort der Erde zu erreichen, der gemeinhin als paradiesisch gilt. Das letztere haette mich eigentlich stutzig machen muessen. So kam ich erwartungsvoll nach Honolulu, in die Stadt mit der groessten Distanz zum Festland. Oder, anders ausgedrueckt: ich kam in die Stadt, die man nur mit Hilfe anderer wieder verlassen kann.
Obwohl Hawaii ein amerikanischer Staat ist, sollte man keinesfalls davon ausgehen, hier amerikanische Verhaeltnisse vorzufinden. Sicher, es gibt die ueblichen Fast Food-Ketten, jede Menge an Bequemlichkeit und ein gewisses "Take it easy"-Gefuehl. Und das gefaellt. Fuer einen begrenzten Zeitabschnitt. Nach ein paar Tagen merkt man aber schnell, dass die Menschen hier "anders" sind, was zunaechst wie ein Kompliment klingt. Ihre Lebensweise ergibt fuer mich oft keinen Sinn. Da traegt jedes Familienmitglied einschliesslich des zweijaehrigen Sohnes ausschliesslich Gucci, Guess und Co., aber einen grossen Esstisch mit Platz fuer alle gibt es nicht.
Ich lebe seit fast 2 Wochen bei einer winzigen alten Frau und weiss nun, was ein Messi-Haushalt bedeutet. Da wird nichts weggeworfen, sondern gesammelt, gestapelt, gehortet. Sie spuelt sogar die Pappbecher von McDonalds. Das klingt oekonomisch - ist es aber nicht, wenn man stets dieselben Sachen immer wieder neu kauft. Genauso wird beim Essen verfahren. Man warnte mich und meine Kollegen am ersten Tag in unserer Sprachschule davor, dass es ueblich sei, uebriggebliebenes Essen in den Folgetagen aufzuessen. Der Sinn der Warnung war mir zunaechst nicht klar, machen wir ja schliesslich auch. Nach fast zwei Wochen hier weiss ich allerdings die Warnung wirklich als Warnung zu verstehen! Noch heute wird mir Turkey von Thanksgiving angeboten... Das Absonderlichste dabei ist, dass jeden Tag NEU gekocht wird! Ich esse nur noch ausserhalb... Zumal es nicht sehr appetitanregend ist zu essen, waehrend zeitgleich eine Ameisenstrasse um den Teller herum von denselbigen angelegt wird. Die Ameisen und ihre vielen vier-, zehn- oder tausendbeinigen Freunde sind uebrigens der Grund, warum ich mich in meinem tristen Zimmer mit Neonroehre nie alleine fuehle. Ich vermute, dass ein Grund fuer ihr Eindringen die Essensreste sind. Die fensterscheibenlosen Fenster tun ihr Uebriges...
Natuerlich gibt es auch schoene Seiten an Hawaii: der Strand, das Meer, das Wetter, klar. Darin wurde ich wirklich nicht enttaeuscht. Und den Verzicht auf festes Schuhwerk weiss ich wahrlich zu schaetzen! Und meine Sichtweise der hiesigen Verhaeltnisse waere sicher eine andere, waere ich hier als japanischer Tourist in einem der zahlreichen Luxushotels abgestiegen... Und von denen, den japanischen Touristen, lasst Euch sagen, gibt es eine GANZE Menge!
Ob Hawaii das Paradies ist, entscheidet also allein der Blickwinkel.
Meine Suche ist noch nicht abgeschlossen...

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